Wochenplanung mit Retrospektive: So wird dein Wochenrückblick zur Basis für eine produktive neue Woche
Wir erleben unsere Woche so: Montag früh geht es mit der Arbeit los, Freitag nachmittag stellen wir so langsam auf den entspannten Wochenend-Modus um. Samstag und Sonntag sind sowieso frei und gehören uns und unserer Familie.
Der Nachteil dieses Modells: Montag morgen wirst du wieder ins kalte Wasser geworfen. Von Null auf 100. Das tut dir nicht gut. Warum startest du deine Woche nicht am Sonntag und bist damit dem Rest der Welt einen Schritt voraus? Mach jetzt den Wochenplan für die nächsten sieben Tage und verschaff dir so den Überblick über alles, was zu tun ist. Dann fängt der Montag ganz entspannt an und du weißt sofort, was als erstes dran ist.
Warum brauche ich einen Wochenplan?
Reicht es nicht auch, jeden Tag aufs Neue zu strukturieren? Nein. Der Wochenplan (manche nutzen auch eine ganze Monatsübersicht) ist der mittelfristige Blick auf deine Termine und Aufgaben. Du überblickst damit einen überschaubaren Zeitraum und erkennst die Fortschritte, die du in deinen Projekten machst. Falls du z.B. einen Bloartikel planst: Montag eine Stunde Stoffsammlung, Dienstag eine Stunde Konzept usw. Du organisierst die Zeiten, die zwischen deinen festen Terminen bleiben, mit einem gewissen Maß an Vorausschau und Gestaltungsmöglichkeit. Und immer in Ausrichtung auf deine Ziele.
Noch ein Vorteil: Beim Blick auf die Woche erkennst du schon, ob sich mehrere Tätigkeiten an einem Tag bündeln lassen. Wie wäre es, wenn du alle (von dir ausgehenden) Kundenanrufe auf einen Tag legst? Oder Dinge, die du in der Stadt erledigen willst, in der freien Zeit am Mittwoch nachmittag? Aufgaben bündeln spart Rüstzeit und nutzt den Schwung, wenn du einmal mit etwas angefangen hast. Warum also nicht alle geplanten Telefonate an einem Stück abarbeiten?
Deine Wochenplanung in drei Schritten
Wenn du jetzt das Meiste aus deiner Wochenplanung herausholen willst, gehst du systematisch in 3 Schritten vor:
- Der Wochenrückblick bzw. die Retrospektive: Hier wertest du aus, wie deine Woche gelaufen ist, und welche Erkenntnisse du daraus für die nächsten 7 Tage mitnehmen kannst
- Die Systempflege: Dann bringst du deine Inboxen und Listen auf den neuesten Stand, um den kompletten Überblick zu bekommen.
- Die Wochenplanung im engeren Sinn: Du hast jetzt alles, was du brauchst, und kannst deine nächste Woche sinnvoll und effektiv gestalten.
Retrospektive oder Wochenrückblick – was ist der Unterschied?
Bevor du deinen Wochenrückblick startest, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Begriffe. Denn „Retrospektive“ und „Wochenrückblick“ klingen ähnlich, kommen aber aus zwei ganz unterschiedlichen Bereichen – und genau das kannst du dir für deine persönliche Wochenreflexion zunutze machen.
Retrospektive – der Begriff aus dem agilen Projektmanagement (Scrum)
Die Retrospektive stammt ursprünglich aus dem agilen Projektmanagement, genauer: gesagt aus Scrum. Teams treffen sich dort nach jeder produktiven Einheit (dem Sprint: meist eine oder zwei Wochen) und stellen sich drei klare Fragen:
- Was lief gut?
- Was lief nicht so gut?
- Welche Informationen nehmen wir daraus für die nächste Runde mit?
Das Format ist bewusst strukturiert und ergebnisorientiert. Es geht nicht um Grübeln oder Schuldzuweisungen, sondern darum, aus dem letzten Sprint konkrete Verbesserungen für den nächsten abzuleiten.
Genau dieses Prinzip – schauen, was funktioniert hat, und daraus handfeste Konsequenzen ziehen – macht die Retrospektive auch für dich als Einzelunternehmerin wertvoll, auch wenn du allein arbeitest.
Du setzt damit einen Kaizen-Kreislauf in Gang, der Erkenntnisse für mögliche Verbesserungen immer wieder testet und an realen Erfolgen mißt. Der beste Weg, deine Produktivität zu steigern.
Wochenrückblick – der persönliche Blick zurück im Alltag
Der Wochenrückblick ist der deutlich alltäglichere, unbürokratischere Cousin der Retrospektive. Du kennst ihn vielleicht aus dem Bullet Journal, aus Blogs oder aus dem eigenen Sonntagsritual: ein persönlicher Moment, in dem du zurückschaust, wie deine Woche war – nicht nur fachlich, sondern auch emotional. Wie hast du dich gefühlt? Was hat dir Energie gegeben, was hat dich ausgelaugt? Der Wochenrückblick ist weniger Methode, mehr Gewohnheit – und genau darin liegt seine Stärke: Er lässt sich leicht in den Alltag integrieren, weil er keinen Druck macht, „richtig“ gemacht zu werden.
So kombinierst du das Beste aus beidem
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht entscheiden. Für deine wöchentliche Routine lohnt sich genau die Mischung aus beidem:
- Nimm die Struktur der Retrospektive als Gerüst. Drei einfache Fragen (Was lief gut? Was lief nicht so gut? Was nehme ich mit?) geben dir in wenigen Minuten Orientierung darüber, wie du in Zukunft effizienter und effektiver vorgehen kannst.
- Nimm den persönlichen Blick auf deine Woche als Korrektiv. Ergänze die sachlichen Fragen um eine emotionale Komponente: Wie war dein Energielevel diese Woche? Wann hast du dich wohlgefühlt, wann eher gestresst? Das macht deine Reflexion ehrlicher und nachhaltiger. Es verhindert, dass du dich überforderst und die nächste Woche wieder über deine emotionalen und energetischen Verhältnisse planst.
- Verbinde echte Zahlen mit Gefühl. Schau dir an, was du diese Woche tatsächlich geschafft hast (z. B. erledigte Aufgaben, EPAs, erreichte Zwischenziele, Projektfortschritt), und ergänze das um deine subjektive Einschätzung: Fühlt sich das nach einer guten Woche an?
- Halte den Zeitrahmen bewusst kurz. Eine Retrospektive im Scrum-Team dauert oft eine Stunde oder länger. Für deinen persönlichen Wochenrückblick reichen 15–20 Minuten, wenn du dich an ein festes Frageschema hältst statt frei zu schreiben. Nutze dazu eine Vorlage in deinem Planungstool, z.B. Notion oder Bullet Journal, die dich daran hindert, abzuschweifen, und dich auf die wichtigsten Fragen beschränkt.
- Mach daraus ein Ritual, keine Pflichtübung. Schnapp dir dein Lieblingsgetränk, mach es dir gemütlich, wenn du so besser nachdenken kannst. Schalte etwas Musik ein. Der Charme des Wochenrückblicks ist seine Leichtigkeit.
Lass dir diese Leichtigkeit von der Retrospektive nicht nehmen: Die Struktur soll dir Halt geben, nicht das Gefühl, nur wieder einen weiteren Punkt auf deiner ToDo-Liste abzuarbeiten.
So wird aus zwei Konzepten dein ganz eigenes Format: strukturiert genug, um wirklich etwas mitzunehmen – und persönlich genug, um es jede Woche gerne wieder zu machen.
Schritt 1 – Deine persönliche Retrospektive: Der Wochenrückblick
Jetzt wird es konkret. Du kennst die Idee hinter der Kombination aus Retrospektive und Wochenrückblick. Du weißt, dass sie die Voraussetzung für eine sinnvolle, umsetzbare Wochenplanung bildet. Jetzt schauen wir uns an, wie du es in der Praxis umsetzt.
Nimm dir dafür bewusst einen festen Termin: Freitagnachmittag, wenn die Arbeitswoche ausklingt, oder Sonntagabend, wenn du dich auf die neue Woche einstimmst. Hauptsache, die Zeit passt in dein Leben. Und der regelmäßige Wochenrückblick funktioniert – wichtig ist nur, dass du dir die Zeit wirklich reservierst, so wie einen Termin mit einer Kundin.
Diese Fragen gehören in deinen Wochenrückblick
Nimm dir diese Bereiche vor:
Deine Aufgabenliste
- Welche ToDos hast du erledigt?
- Welche sind übrig geblieben?
- Warum hast du sie nicht geschafft? Hattest du ehrlich keine Zeit, ist etwas dazwischen gekommen, haben dir Infos gefehlt oder erkennst du, dass du die Aufgabe aufgeschoben hast. Weil dir die Lust fehlte, du dich überfordert fühltest?
- Wie kannst du es nächste Woche anders und besser machen?
Deine Projektliste
- Welchen Fortschritt haben deine Projekte gemacht? Das sind nicht nur von dir erledigte Aufgaben, sondern auch Daten von außen wie z.B. Zugriffszahlen auf dein Blog oder Öffnungsraten deines Newsletters. Miss das, was für deinen Bereich wichtig ist.
- Warum ist ein Projekt diese Woche gut oder nicht so gut gelaufen?
- Welche Maßnahmen willst du ergreifen, welches Vorgehen ändern, welche neuen Prioritäten setzen, um kommende Woche (noch) mehr Erfolge einzufahren?
Dein Habit-Tracker
Wenn du deine Gewohnheiten nachverfolgst und ihre Umsetzung aufzeichnest, frag dich dies:
- Welche Gewohnheit hast du planmäßig täglich oder xmal die Woche umgesetzt?
- Bei welcher hat es nicht geklappt?
- Warum war das wohl so? Keine Lust, keine Zeit, schlechtes Wetter?
- Wie kannst du dafür sorgen, dass es kommende Woche besser funktioniert?
Deine Finanzen
Ja, auch die sollte man regelmäßig überprüfen und schauen, ob sie zu deiner Zufriedenheit sind.
- Bist du im Plan, im Budget? Hast du so viel gespart, wie du wolltest? Investiert, wie du es vorhattest?
- Wenn ja: Was ist besonders gut gelaufen?
- Wenn nein: Was kannst du kommende Woche besser machen?
Was sonst noch?
Auch andere Bereiche verdienen einen Blick darauf. Oft geht es um Dinge, die dein Business beeinflussen, obwohl sie nicht deiner Kontrolle unterliegen. Dennoch kannst du beim nächsten Mal vielleicht etwas genauso machen, wenn es sich als erfolgreich erwiesen hat, oder verbessern, wenn da noch Luft nach oben ist:
- Hast du einen Auftrag bekommen – oder eben nicht? Vielleicht kannst du das nächste Angebot detaillierter schreiben!
- Ist das Design für die Kundenwebsite zeitlich im Plan gewesen – oder hat sie das Budget gesprengt? Welche Prozesse darin könntest du verbessern?
- Hat deine Freelancer-Texterin den Content zu spät (nicht in der passenden Qualität) geliefert? Was lernst du daraus für den Umgang mit Partnern im Business?
Jetzt wird es persönlich – check deine Gefühle in der vergangene Woche
Beantworte dir die Fragen und ziehe die Konsequenzen daraus: Was solltest du unbedingt beibehalten, was lieber ändern?
- Wie beurteilst du die Woche in deinem Leben: Positiv und ein echter Gewinn? Oder lieber zum Vergessen? Und woran lag es?
- Wie war dein Energielevel diese Woche – eher hoch oder nicht so ein Highlight? Check auch einmal, ob du deine Arbeiten nach deinem Biorhythmus organisiert hast.
- In welchen Momenten hast du dich wirklich wohlgefühlt bei der Arbeit? Wie kannst du dafür sorgen, dass das möglichst oft der Fall ist?
- Gab es Situationen, die dich unnötig gestresst haben? Wie kannst du das ändern?
Du musst nicht alle Fragen jede Woche ausführlich beantworten. Nimm dir das vor, was dir gerade am wichtigsten ist. Vielleicht gerade da, wo du nicht zum ersten Mal Optimierungsbedarf siehst. Oder etwas, das sich als ein so gutes Vorgehen erwiesen hat, dass du es als SOP (Standard Operation Procedure) fest beibehalten willst.
So bleibt dein Wochenrückblick in den anvisierten 15–20 Minuten machbar, ohne oberflächlich zu werden.
Erfolge, Stolpersteine und Learnings festhalten
Jetzt hast du einen Überblick über deine vergangene Woche und kannst herausziehen, was du für die nächsten 7 Tage mitnehmen willst. Damit daraus ein umsetzbarer Leitfaden für deine kommende Woche werden kann, mach dir in deiner Wochenplanungs-Vorlage ein paar Notizen.
- Deine Erfolge: Was hast du diese Woche erreicht, worauf du stolz sein darfst? Auch kleine Dinge zählen: Ein schwieriges Kundengespräch erfolgreich geführt, deine Habits konsequent durchgezogen, 80% der geplanten ToDos erledigt, trotz wenig Motivation drangeblieben – du wirst jede Menge finden, was du dir aufs persönliche Erfolgs-Konto schreiben kannst. Und die dir zeigen, wo du auf dem richtigen Weg bist.
- Die Stolpersteine: Wo hast du dich verzettelt, wo kam etwas dazwischen, das du nicht eingeplant hattest? Was ist nicht so gelaufen wie du es umsetzen wolltest? Ganz wichtig: Erfasse die Situation, ohne dich dafür zu verurteilen. Es geht hier nur ums Beschreiben, nicht ums Bewerten.
- Jetzt deine Learnings: Was sagen dir diese Erfolge und Stolpersteine für die kommende Woche? Genau dieser Punkt ist die Brücke zu Schritt 2 – ohne ihn bleibt dein Wochenrückblick ein schönes Ritual ohne echten Effekt für deine Produktivität.
Ein einfaches Format dafür: eine Tabelle oder Liste in Notion, eine Doppelseite in deinem Bullet Journal oder womit immer du deine Planung machst – Hauptsache, du kannst beim nächsten Wochenrückblick draufschauen und siehst, woran du letzte Woche warst. So wird aus einer einmaligen Reflexion mit der Zeit ein Muster, an dem du erkennst, welche Themen sich wiederholen und wo sich wirklich etwas verändert.
Schritt 2: Die Systempflege
Nach dem Wochenrückblick weißt du, wie deine Woche gelaufen ist. Bevor du jetzt aber in die eigentliche Wochenplanung einsteigst, lohnt sich ein Zwischenschritt: die Pflege deines Produktivitätssystems. Denn die beste Wochenplanung nützt dir nichts, wenn sie auf veralteten oder unvollständigen Informationen aufbaut. Nimm dir deshalb kurz Zeit, dein System – deine Inboxen, deine Listen und deinen Kopf – wieder auf Stand zu bringen, bevor du planst.
Deine Inboxen leeren
Während der Woche sammelt sich einiges an: E-Mails, Notizen in deiner App, Zettel auf dem Schreibtisch, vielleicht eine Sprachnotiz vom Autofahren oder Karten in der ersten Spalte deines Kanban-Boards. Und natürlich der physische Eingangskorb für alles, was als Papier zu dir kommt. Das sind deine Inboxen – Orte, an denen Dinge unsortiert landen, bevor du weißt, was damit passieren soll.
Geh jede deiner Inboxen einmal komplett durch und entscheide für jeden Eintrag:
- Erledigen, wenn es unter zwei Minuten dauert – sofort, ohne es weiterzuschieben.
- Einsortieren, wenn es zu einem laufenden Projekt gehört oder eine neue Aufgabe ist – ab in die passende Liste.
- Terminieren, wenn es einen festen Zeitpunkt braucht – ein Fall für den Kalender.
- Löschen, wenn es sich erledigt hat oder du es nicht mehr brauchst.
Wichtig ist nicht, dass deine Inbox danach für alle Zeit leer bleibt – sondern dass du einmal pro Woche wieder bei null anfängst und nichts Unbearbeitetes zwischen den Wochen hin- und herschiebst.
Braindump: Kopf frei machen
Auch dein Kopf ist gerade so eine Inbox. Mach also als Teil 2 der Systempflege einen kurzer Braindump. Schreib alles auf, was dir gerade im Kopf herumschwirrt: offene Fragen, halbfertige Ideen, Dinge, die du „irgendwann mal machen willst“. Ohne zu bewerten, ohne zu sortieren – einfach raus aus dem Kopf, rauf aufs Papier oder in die App. Jetzt blockiert nichts mehr dein Kurzzeitgedächtnis.
Deine Listen durchgehen und aktualisieren
In Projektlisten und Aufgabenlisten, die du nicht regelmäßig pflegst, verstauben mit der Zeit so viele Ideen, die einmal so genial waren. Manche warten auf ihre Umsetzung, andere sind inzwischen überholt oder du hast sie erledigt. Trotzdem stehen sie noch da und kosten dich beim Planen unnötig Aufmerksamkeit. Geh deshalb einmal wöchentlich durch alle deine Listen und stell dir bei jedem Projekt und jeder Aufgabe die gleichen Fragen:
- Ist dieses Projekt noch aktuell, oder hat sich die Priorität verschoben?
- Stimmt der nächste Schritt noch, oder braucht es inzwischen einen anderen?
- Gehört diese Aufgabe wirklich noch auf die Liste, oder ist sie überholt?
- Fehlt etwas, das eigentlich schon längst als Projekt oder Aufgabe aufgenommen gehört hätte?
Diese kurze, aber ehrliche Durchsicht sorgt dafür, dass du in Schritt 3 nur mit Dingen planst, die tatsächlich noch relevant sind.
Schritt 3: Die Wochenplanung
Und so entsteht der Plan für deine nächste Arbeitswoche: Nimm dir deinen Terminkalender, deine Projektpläne und andere Listen, in denen du Aufgaben notierst, vor, und führe alles, was du in der nächsten Woche tun willst, in einem Wochenplan zusammen. Wie und mit welchen Mitteln du das tust, hängt von deiner Arbeitsweise ab.
Wenn du gerne handschriftlich planst: Benutz deinen Wandkalender oder eine Vorlage aus dem Internet. Ein Blatt aus deinem Ringbuch reicht auch.
Du kannst aber auch eine Vorlage in Excel oder LibreOffice anlegen, die dir eine Kalenderübersicht der Woche und Zeilen für die freien Aufgaben anzeigt. Wenn du deine Termine in Outlook oder Thunderbird verwaltest, kannst du dort auch deine Aufgaben für die kommende Woche hinterlegen. So mußt du Termine nicht übertragen.
Ich persönlich mache das lieber in einem Kanban-Board und schiebe mir alle Aufgaben, die ich für die kommende Woche vorhabe, in eine Wochenliste. Sind Termine darunter, kann ich mir diese in einem Power-Up Calendar in einer Wochenübersicht anzeigen.
Und so suchst du dir alle Termine und Aufgaben für deinen Wochenplan zusammen und bewertest, ob sie hineinpassen.
1. Deine Termine
Termine sind einfach Aufgaben mit einem fixen Zeitfenster. Einmal beschlossen sind sie nicht verhandelbar. Alles, was in deinem Kalender steht, bildet so das Gerüst deiner Wochenplanung. Bevor du das so akzeptierst, überprüfe jeden der schon vorhandenen Termine:
- Ist er wirklich nötig? Wenn nicht, streiche ihn.
- Oder kannst du ihn delegieren? Dann tu das, wenn möglich?
- Ist er vielleicht inzwischen obsolet geworden? Glückwunsch, du hast gerade wieder frei planbare Zeit gewonnen.
- Kann er durch eine Mail, ein Telefonat zeitsparend ersetzt werden? Dann schreib einfach oder ruf an.
- Ist alles da, was du für den Termin brauchst, z.B. ein Bericht fürs Meeting? Wenn nicht, reserviere dir Zeit im Wochenplan, um den fehlenden Bericht anzufertigen.
- Oder bist du eventuell davon abhängig, dass dir ein Kollege den Bericht liefert, der für den Termin benötigt wird? Plane auch dafür Zeit mit Vorlauf ein, um den Kollegen daran zu erinnern.
Soweit die üblichen Termine. Meist kommen sie von außen oder sind Teil deiner Arbeit. Den anderen Teil nenne ich „Termine mit dir selbst“. Du hast vielleicht selbst schon einmal erlebt, dass du morgens fest vorhattest, am Abend ins Fitness-Studio zu gehen und 1 Stunde zu trainieren. Oder dir das Schulungsvideo (Fortbildung für dein neues Projekt) reinzuziehen. Oder dich mit Freunden zu treffen. Wann? Naja, irgendwann nach der Arbeit. So unverbindliche Vorhaben setzt man meist nicht um, sie werden verschoben, du landest um 19 Uhr auf dem Sofa vor Netflix oder – noch schlimmer – sitzt immer noch am Schreibtisch.
Nimm diese Dinge genauso ernst wie deine beruflichen Termine, sonst gehen sie gerne im Alltag unter. Plane also Teile deiner Freizeit mit einem konkreten Termin, verabrede dich mit dir selbst. Am besten legst du dir für regelmäßige Tätigkeiten wie Fitness, Fortbildung, aber auch Hausarbeit feste Termine in deinem Wochenplan an, die jede Woche wiederkehren. Nach einer Weile werden daraus Gewohnheiten, du mußt dich nicht jedes Mal wieder überwinden, tatsächlich loszulaufen, die Bücher oder den Putzlappen in die Hand zu nehmen.
2. Deine Aufgaben
Das sind frei verfügbare Einheiten ohne Termin, die du in deinem Wochenplan unterbringen kannst. Sie kommen beispielsweise aus deinen Projektübersichten, können aber auch einfach Dinge sein, die du gerne in der nächsten Woche erledigen willst – oder musst.
Zuerst überlege, ob du ein Wocheziel hast, etwa einen wichtigen Teilschritt deines laufenden Projekts fertigzustellen. Gibt es Aufgaben, die auf dem Weg dahin erledigt werden müssen? Die haben hohe Priorität und gehören unbedingt in deinen Wochenplan. Überprüfe alle anderen ToDos, ob sie wirklich in der kommenden Woche Platz haben (sollten). Für die Priorisierung eignet sich die Eisenhower-Matrix.
- Welche Priorität hat eine Aufgabe? Nimm möglichst ToDos hoher Priorität in deinen Wochenplan auf.
- Hat sie ein Fälligkeitsdatum in der nächsten Woche? Dann ist sie so verpflichtend wie ein Termin und sollte in den Wochenplan.
- Bringt Dich diese Aufgabe deinem Ziel näher? Dann immer her damit. Das sind die wichtigsten ToDos.
- Dann die Frage aller Fragen: Ist diese Aufgabe wirklich nötig? Oder kannst du sie komplett streichen? Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung ;)
- Passt die Aufgabe in einen freien Zeitblock zwischen den fixen Terminen? Eine möglichst konkrete Zeitschätzung ist hier dein Freund.
- Und wieder: Habe ich jetzt schon alles, was ich für die Aufgabe brauche. Wenn ich auf Informationen warten muss, kann ich diese Sache möglicherweise nicht für die neue Woche einplanen.
Wie lange dauert was?
Bevor du im Detail planst: Wie lange dauern die einzelnen Aufgaben eigentlich? Bei Terminen ist das schon einmal bekannt: Sie haben ein Zeitfenster, dem du Pufferzeiten für Rüstzeit (Vorbereitung der Unterlagen, Anmeldung im System, das jetzt ausgerechnet wieder ein Update fahren könnte, …), Anfahrt, Abfahrt und ähnliches hinzufügst. So erhältst du das Zeitfenster, das du für deinen Termin blocken solltest.
Bei Aufgaben hilft dir deine Erfahrung, um den Zeitaufwand abzuschätzen. Je öfter du eine Tätigkeit ausgeführt hast, desto besser kennst du die Zeit, die dafür nötig ist. Vielleicht kannst du auch auf ein Zeit-Tagebuch zurückgreifen, über das du einmal Protokoll deiner Arbeitszeiten geführt hast. Oder du betreibst sowieso schon Time Tracking und hast Erfahrungswerte zur Verfügung. Notiere dir auf jeden Fall neben den Aufgaben in deinem Wochenplan, wie lange sie Deiner Schätzung nach dauern. So kannst du sie in einem passenden Zeitfenster unterbringen.
tl;dr
Wenn Dir das zu lang war: Hier noch einmal die Wochenplanung im Kurzdurchlauf.
- Mach einen Wochenrückblick: Was ist gut gelaufen, was nicht. Und was waren deine Learnings aus der letzten Woche?
- Pflege dein System: Leere die Inboxen, räume deine Listen auf und mache einen Braindump
- Leg dir ein Wochenplan-Schema im Medium deiner Wahl an
- Nimm einmal pro Woche Terminkalender, Projektlisten und ToDos her
- Beurteile Termine danach, ob du sie wirklich selbst durchführen musst
- Schätze Termine zuzüglich Pufferzeiten für Anfahrt usw. ein
- Trage sie in den Kalender-Teil deines Wochenplans (oder dein Kalender-Tool) ein
- Priorisiere Aufgaben und schätze ihren Zeitbedarf
- Trag sie mit Zeitschätzung in den Aufgabenteil deines Wochenplans ein
- Such dir für jeden Tag Aufgaben heraus, die in die Zeiten zwischen deinen festen Terminen passen
Ach ja: Wenn Dir Dein Wochenende zu schade für die Planung ist, wäre ein guter Zeitpunkt Freitag nachmittag, bevor du deine Arbeitswoche beschließt. Viel Erfolg und produktives Arbeiten wünsche ich dir.



Vieles von dem was du schreibst klingt sehr strukturiert und gut. Als Rentner kann ich meine Zeit frei einteilen. Beim lesen ist deines Artikels ist mir jedoch der Gedanke gekommen, dass es durchaus Sinn macht auch als Renter eine Planung zu machen um seinen Tagesablauf zu strukturieren. Was meinst du dazu?
Hallo, Werner, ja, Du hast Recht: Zeitplanung hilft nicht nur dabei, in Zeiten von hoher Arbeitsbelastung besser damit umgehen zu können. Als Rentner ist man ja in einer ähnlichen Lage wie als Soloselbständige oder Freiberufler: Verantwortlich für die Struktur im eigenen Leben. Und Planung kann wirklich dabei helfen, mehr daraus zu machen.