Ablenkung

Weg mit der Ablenkung, mehr Fokus!

Schaust du auch alle 10 Minuten nach, was du Neues in deiner Inbox findest? Und bist häufiger (und länger) in deinem Facebook-Stream unterwegs, als du eigentlich vorhattest? Dummerweise verlierst du dabei immer wieder den Faden bei deiner wirklichen Arbeit, bei dem, was du eigentlich tun wolltest.

Gerade wenn es kompliziert wird, wenn uns eine Aufgabe so richtig fordert oder ganz neu ist, weichen wir gerne der Herausforderung aus und wenden uns einfachen, sicheren Tätigkeiten zu, die mehr Spaß machen. Wir suchen die schnelle Belohnung, statt uns anzustrengen. Und wir lassen uns auch leicht durch Benachrichtigungen in Apps oder im Browser ablenken. Denn: Facebook, Twitter, Insta, E-Mail-Check – all das sind Ablenkungen.

Ablenkung? Wo ist das Problem?

Das sagt schon das Wort selbst. Es lenkt dich von wichtigen Dingen ab. Hin zu Unwichtigem. Du verlierst den Fokus und verbringst deine Zeit mit angenehmen Dingen, die dich aber deinen Zielen (oder einfach der Erfüllung deiner geplanten Tagesaufgaben) nicht näher. Die Zeit ist also genau genommen verschwendet!

Was noch schlimmer ist: Stell dir vor, du sitzt an einem komplizierten Text, der dein ganzes Wissen für den Inhalt, deine komplette Kreativität für die Formulierung fordert. Du fühlst dich gerade überfordert, deine Motivation, weiter zu machen, sinkt. Da poppt eine Benachrichtigung von Facebook auf: Deine Freundin XY ist gerade live. Du wechselst in den Browser und schaust die ihr Video an. Nach 5 Minuten ist sie fertig, du aber noch lange nicht. Du folgst erst einmal deinem Facebook-Stream und erkundest, wer denn sonst noch etwas gepostet oder geteilt hat. Du liest, teilst, likest – und 20 Minuten später merkst du, dass du ja immer noch auf Facebook unterwegs bist, statt deinen Text zu schreiben.

Wenn du jetzt versuchst, wieder ins Schreiben zu kommen, brauchst du ca. weitere 20 Minuten, um wieder so richtig im Flow zu sein, dass es also richtig gut und produktiv läuft. Du hast also nicht nur 20, sondern 40 Minuten verloren.

Warum funktioniert die Ablenkung so gefährlich gut?

Der Psychologe B. F. Skinner experimentierte in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit Ratten und erforschte, wie sich ihr Verhalten durch Belohnung und Bestrafung änderte. Er beobachtete die Lernprozesse. Die Ratten saßen in der von ihm entworfenen Skinner-Box und konnten z.B. durch einen Hebel einen Futterspender betätigen. Das hatten sie auch schnell heraus und drückten den Hebel, sobald sie in die Box gesetzt wurden. Wenn sich aber eine gewisse Zeit durch den Hebel nichts mehr tat, verlernten sie wiederum das neue Verhalten.

Dieses Lernen durch Verstärkung (Belohnung) und Strafen läuft unter dem Begriff der operanten Konditionierung. Dabei hängt es von der Verabreichung der Belohnung ab, wie schnell man lernt oder das Verhalten wieder aufgibt. Bei regelmäßiger Belohnung (einmal Hebel drücken = 1 Leckerli) lernt man langsam, gibt aber nach Ausbleiben der Belohnung schnell wieder auf.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Belohnung in unregelmäßigen Abständen auftritt. Die Ratte (oder der Mensch) weiß nicht, wann sie / er wieder etwas bekommt. Hier lernt der Proband das Verhalten besonders schnell und verlernt es nur langsam. Dies machen sich Anbieter von Glücksspielen zunutze – und können so eine Sucht auslösen, die nur schwer wieder aufgegeben wird.

Und so funktioniert leider auch die Belohnung, die wir durch das Checken unserer Inbox und der sozialen Medien erhalten: Wir wissen nie, ob eine interessante E-Mail auf uns wartet, oder ob irgendwer ein besonders süßes Katzenfoto (oder eine besonders provokante Aussage) gepostet hat. Wir schauen also immer wieder nach, scrollen immer weiter. Und bekommen in unregelmäßigen Abständen unsere Belohnung. Das ist wirklich Mist!

Was tun wir gegen verführerische Ablenkungen?

Der Suchtfaktor der leichten Belohnung durch Unterhaltung ist eigentlich schon Problem genug. Es kommt aber noch schlimmer: Nir Eyal schreibt in seinem Buch „Indistractable“ (S. 95), dass es nicht reicht, die Benachrichtigung durch Facebook oder das Mailprogramm einfach zu übersehen, weg zu schieben. Die Unterbrechung ist trotzdem da, sie reißt dich aus deiner produktiven Phase heraus. Und dann dauert es genauso lange, wieder richtig rein zu kommen, als hättest du der Versuchung nachgegeben und dich langfristig ablenken lassen. Was also tun?

Am besten entfernst du alle Auslöser, die dich ablenken könnten. Das senkt schon einmal die Wahrscheinlichkeit, dass du automatisch im E-Mail-Client oder auf Facebook landest.

  • schalte alle Benachrichtigungen ab, die nicht wirklich sein müssen – auf dem Rechner, auf dem Smartphone
  • erlaubt sind nur Telefon und SMS
  • leg das Smartphone am besten aus deinem Blickfeld
  • schließe die Browser-Tabs mit Facebook und Co
  • wenn du Projektkommunikation brauchst, mach sie nicht per Mail. Ein System wie Trello ist an der Stelle besser, weil du die Kommunikation passend sortiert hast und dann hineinschaust, wenn du es für richtig hälst.
  • schalte also auch die Benachrichtigung durch Trello, die dich über Aktionen auf von dir beobachteten Listen und Karten informiert, gar nicht erst an.
  • Timeboxing ist dein Freund: reserviere dir Zeit für deine Korrespondenz – zu deinen Regeln! Also vielleicht zweimal am Tag.
  • reserviere dir auch Zeit für die Katzenfotos und Spaß-Videos. Aber ebenfalls zu deinen Regeln, nach deinem Arbeitsrhythmus eingeplant.

So machst du es dir leichter, beim Thema zu bleiben und die Ablenkungsmöglichkeiten sind nicht so aufdringlich und leicht erreichbar.

Bild: Christine McCall auf pixabay

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