Wenn du stecken geblieben bist: So kommst du sofort wieder in die Gänge

Jede von uns hat so ein Projekt oder einen Kundenauftrag: Du hast mit Begeisterung begonnen, aber irgendwann nicht mehr weiter gemacht. Jeden Morgen sagst du dir, dass du die Sache heute endlich wieder angehen und dann zügig abschließen willst, aber irgendwie kannst du dich nicht dazu aufraffen: Du schiebst sie wieder auf. Meist hat es genau einen Grund!

Du sitzt im Tal fest!

Stell dir das Projekt wie eine mehrtägige Bergwanderung vor: Es geht bergauf und bergab, manche Strecken sind schwerer zu bewältigen als andere. Und dann übernachtest du im Tal. Wenn du morgens aus dem Fenster schaust und den steilen Aufstieg vor Augen hast, ohne den du heute nicht weiter kommst, kann es sein, dass du dich lieber entschließt, noch ein paar Tage im Tal zu verbringen, wo du dich einfacher bewegen kannst. Vielleicht reist du sogar einfach ab, weil der Ausblick auf den steilen Berg dich demotiviert und du nicht weißt, wie du ihn angehen sollst.

Dein Projekt am Tiefpunkt

Genau so geht es uns mit komplexen oder nervigen Projekten: Wir hören an einem kritischen Punkt auf. Dann, wenn wir gerade vor einer schier unlösbaren Aufgabe stehen. Uns fällt gerade nicht mehr ein, wie wir hier weiter machen können, um das Projekt erfolgreich zum Ende zu bringen. Unsere Kreativität beim Texten oder beim Entwerfen eines Designs, unsere Problemlösungsfähigkeit bei der Programmierung einer Anwendung: Sie haben sich gerade festgefressen, wir kommen so nicht weiter und klappen für heute den Laptop zu.

Morgen wird uns schon etwas einfallen, einmal drüber schlafen hilft vielleicht? Das ist oft eine Illusion, weil wir am Morgen das Projekt eben nicht angehen, sondern lieber etwas anderes tun. Denn:

  • Wir erinnern uns nur an das Problem von gestern,
  • das oft durch nächtliche Grübelei noch schwerwiegender geworden ist.
  • Wir haben keine Motivation, uns dieser frustrierenden Lage auszusetzen,
  • weil alles andere besser ist als das!
  • Und wir schieben das Projekt einfach (wieder mal?) auf.

Mangelnde Motivation und die Angst, bei der Lösung des Problems zu versagen, sind klassische Voraussetzungen für Prokrastinieren, aka Aufschieberitis. Aber es gibt eine Lösung!

Übernachte nie im Tal!

Um beim Bild der Bergwanderung zu bleiben: Such dir einen Schlafplatz, eine Hütte ein wenig den Hang hinauf. Denn so hast du am nächsten Morgen einen weichen Start, du beginnst nicht beim tiefsten Punkt deines Weges. Das macht Mut, motiviert und zeigt dir, was du gestern schon alles geschafft hast. Und dass der Rest des Weges nicht mehr so lang ist.

Wenn du also merkst, dass dein Projekt sich einem Tiefpunkt nähert, weil du gerade nicht weiter kommst, mach nicht einfach so Schluss und hoffe auf den nächsten Tag. Gib ihm einen kleinen Anschub, damit du leichter starten kannst.

  • Such dir eine Teilaufgabe des problematischen Projekts, mit der du morgen beginnen wirst.
  • Etwas, das dir garantiert gelingt.
  • Plane es als erste Aufgabe für morgen fest ein.
  • Am besten schriftlich!

Was das sein könnte?

  • Wenn du mit dem Text nicht voran kommst, nimm dir nicht wieder den Abschnitt vor, an dem du hängen geblieben bist. Schreib das übernächste Kapitel oder die Gliederung dafür. Recherchiere für den problematischen Abschnitt (aber bitte nur einen festgelegten Zeitraum lang, damit das nicht in eine pseudoproduktive Arbeit ausartet, was auch nur eine andere Form des Aufschiebens wäre).
  • Wenn es mit dem Layout für den Briefbogen nicht klappen will, mach doch erst einmal die Visitenkarte. Oder die Broschüre.
  • Wenn du diese vertrackte Funktion nicht programmieren kannst, codiere doch erst einmal einen einfachen Proof of Concept für einen Teil davon.
  • Oder, oder, oder … Jetzt bist du dran!
  • Denn es gibt für jeden Stolperstein im Projekt eine andere Stelle, die dir leichter fällt! Einen weichen Einstieg mit Erfolgsgarantie und eingebautem Motivationsschub!

Was dann passiert

Wenn du also am nächsten Morgen wieder Laptop startst, weißt du genau, was jetzt passieren muss: Du machst genau das, was du dir gestern als erste Aufgabe des Tages notiert hast. Du weißt, was das ist und wie du es anpacken kannst, du kommst mit deinem Projekt wieder in den Flow. Es geht weiter, du machst Fortschritte und kannst Erfolge für dich verbuchen. Deine Motivation ist hoch, und so fällt es dir leichter, dann auf die ungeliebte Aufgabe zurückzukommen und hier eine Lösung zu finden.

Dieser Tipp gilt auch, wenn du deine Arbeit (gewollt oder durch eine äußere Störung) unterbrechen musst: Notiere dir immer, was der nächste Schritt ist. Oder unterbrich da, wo er sich von selbst ergibt. Dann hast du einen Warmstart, wenn du daran weiter machen kannst. Es ist einfacher so!

Diesen Artikel habe ich übrigens auch nicht an einem Stück geschrieben. Bevor ich vorhin Laufen gegangen bin, habe ich die Überschrift für den Abschnitt geschrieben, mit dem es eben weiter gehen sollte. Es funktioniert!

Bild: Wolfram Strachwitz auf Pixabay

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